Kräuterwandern 
am Bodensee

Moni Müller liebt die Natur. Wer mit ihr im Bodenseeraum über Wiesen und durch Wälder schlendert, macht buchstäblich auf Schritt und Tritt Entdeckungen. Auf ihren Kräuterwanderungen bringt sie den Teilnehmern nahe, was an Gesundem, Schmackhaftem und Hilfreichem so alles am Wegesrand wächst.

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Moni Müller ist zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin seit mehr als  25 Jahren und privat wie beruflich immer im Garten und im Grünen unterwegs.

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Woran erinnert Sie dieser Duft?

Im Deggenhausertal machen wir uns vom Teilort Obersiggingen aus auf den Weg und sind gleich mittendrin. Moni Müller braucht nur wenige Schritte weit mit uns zu gehen, da entdeckt sie schon die erste Pflanze am Wegesrand, von der es sich zu erzählen lohnt. Ihre wichtigste Erkenntnis vermittelt sie uns gleich zu Beginn: „Es gibt keine Unkräuter, sondern nur Wildkräuter.“ Was wild wächst, ist also keinesfalls unnötig oder unnütz. Wildkräuter sind mindestens genauso wertvoll, nahrhaft und gesund wie das, was wir unter kontrollierten Bedingungen heranzüchten. Oder einfach im Laden kaufen.

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Kenntnisreich

und mit viel Spontanität weiß Moni Müller zu jedem Pflänzchen, jedem Gewächs und jeder Blüte etwas zu erzählen. „Riechen Sie doch mal hier dran. Was würden Sie sagen, woran erinnert Sie dieser Duft?“ Moni Müller doziert nicht in grauer Theorie zu Inhaltsstoffen und deren Wirkungsweisen. Sie begeistert ihre Teilnehmer, weil sie deren Sinne und eigenen Erfahrungen anspricht. Wir riechen an den Pflanzen, wir nehmen sie in die Hand und wir verreiben die Blüten zwischen unseren Fingern. „Das setzt die ätherischen Öle und sonstigen Inhaltsstoffe frei.“

So wie früher

Oft kommen wir beim Grübeln, um welche Pflanze es sich handeln könnte, auf Kindheitserinnerungen zurück. „Das riecht doch wie früher diese …“ hört man sich dann sagen oder: „Dieses Kraut ist doch im Garten bei Oma auch immer gewachsen.“ Der gegenseitige Austausch ist Moni Müller sehr wichtig, zwischen den Teilnehmern untereinander ebenso wie mit ihr selbst. „So lerne auch ich immer noch dazu. Außerdem macht es einfach Freude, zu erzählen und sich auszutauschen.“

Aufmerksamkeit für die Natur

Es sind Momente wie diese, wegen derer Moni Müller ihre Arbeit liebt. Wenn ihre Teilnehmer sich an die eigene Verbundenheit zur Natur erinnern, die vielleicht einmal viel ausgeprägter war, als es heute der Fall ist. In unserer modernen Zeit ist das Verhältnis aus vielfältigen Gründen eingeschränkt: „Es ist ja nicht nötig, sich in der Natur zu bedienen, wenn man auf der Suche ist nach Kräutern – sei es als Zutat für Speisen oder wegen ihrer heilenden Kräfte", sagt Moni Müller. „Dabei ist schon das Sammeln ein Genuss! Man nutzt Vorhandenes und vermeidet Verpackungsmüll und lange Transportwege.“

Wildkräuter im eigenen Garten

Auf den Kräuterwanderungen in der Bodensee-Region aber kann man erleben, wo viele der würzigen und gesunden Inhaltsstoffe ihren Ursprung haben. „Wenn wir dieses Wissen gar nicht mehr weitergeben, dann wird es unseren Kindern fehlen“, findet Moni Müller.  Dabei muss, wer einen eigenen Garten hat, sich nicht einmal groß auf den Weg machen. Das eigene Grün kann da schon zur Fundgrube werden. Gundermann und Girsch zum Beispiel wachsen praktisch überall.

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Wildkräuter im Bodenseeraum

Die besten Tipps von Moni Müller

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Gundermann

Der Gundermann wurde in früheren Zeiten als Wundheilkraut verwendet. Heute macht er sich in der Kräuterküche prima als „Gaumenkitzler“. Man kann ihn zum Beispiel in dunkle Schokolade getaucht („Wiesen-After-Eight“) oder in einem Kräuteraufstrich mit Oliven genießen.

Storchenschnabel

Stinkender Storchenschnabel, auch Ruprechtskraut genannt, wurde früher als vielseitiges Heilmittel u. a. bei Zahnschmerzen, Fieber oder Nasenbluten verwendet. Aufgrund des intensiven Geruchs der zerriebenen Blätter soll es obendrein bei der Mückenabwehr helfen.

Schafgarben

Schafgarben gehören zur Gattung der Korbblütler und finden bis heute als Heilkraut Verwendung. Wegen ihrer blutstillenden und entzündungshemmenden Wirkung wurde sie früher auch „Soldatenkraut“ genannt. Außerdem war die Pflanze auch als „Feldhopfen“ bekannt. Die enthaltenen Bitterstoffe wurden dem Bier beigegeben, um es zu aromatisieren und länger haltbar zu machen.

Spitzwegerich

Spitzwegerich, dem Wortstamm nach der „König des Wegesrandes“ wirkt entzündungshemmend und schleimlösend. „Bei Husten schwöre ich auf den Spitzwegerich. Bei Bienen- oder Wespenstichen sollte man einfach ein wenig davon zerquetschen und aufden Stich reiben. Außerdem schmeckt er wunderbar im Frühlingssalat oder in Butter angedünstet, zum Beispiel mit Pilzen.“

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