Zu Besuch auf dem Weingut Schmidt

Den Bodensee schmecken

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Wer genießen kann, trinkt keinen Wein mehr, sondern kostet Geheimnisse“, so hat es der berühmte (und berüchtigte) Künstler Salvador Dali im 20. Jahrhundert einmal gesagt. Diese Geheimnisse kann man auch am Bodensee „erschmecken“ – denn hier, auf der höchstgelegenen Weinanbaufläche Deutschlands (400 bis 560 Meter über N. N.), wachsen auf einer Fläche von insgesamt 600 Hektar weiße und rote Reben. Viele kleine Winzerbetriebe produzieren aus den sonnenverwöhnten Trauben Bodenseewein, den sich einst schon Annette von Droste-Hülshoff auf der Meersburg schmecken ließ. 

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Wein ist mehr als nur ein alkoholisches Getränk.
Sebastian Schmidt, Winzer
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Sebastian Schmidt ist einer von den jungen Winzern, der im Familienbetrieb – zusammen mit der Natur – schlanke, filigrane und besonders „bodenseetypische“ Weine herstellt. Was treibt ihn an? Und was macht den Wein vom See so besonders?

Sebastian Schmidt übernahm das Weingut seiner Eltern. Längst hat er das Potential dieser Weinregion erkannt, denn die Nachfrage nach bodenseetypischen Weinen ist groß. 

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„Wein ist mehr als nur ein alkoholisches Getränk, Wein ist ein Kulturgut, wenn nicht sogar das Kulturgut schlechthin“, sagt Schmidt, als er uns über seinen Weinberg führt. Aber das musste er selbst erst lernen. Sein Vater Eugen Schmidt gründet 1984 zusammen mit seiner Frau das Weingut Schmidt. Sebastian wächst zusammen mit seinen beiden Geschwistern im elterlichen Betrieb auf und lernt die Abläufe auf dem Weinberg von der Pike auf kennen. Aber Winzer werden, das will er als Jugendlicher auf gar keinen Fall. So besucht er ein englisches Internat und geht anschließend zur Bundeswehr. Monatelang ist er bei der Marine. Außer Wasser und seinen Kameraden sieht er in dieser Zeit nicht viel. Hier, fernab der Heimat, irgendwo auf dem Meer, vermisst er zum ersten Mal in seinem Leben seine Heimat, die Region und die elterliche Landwirtschaft. Und genau hier fällt dann auch der Entschluss: „Ich will heim – ich will Wein machen!“

Gesagt, getan.

Als der Wehrdienst beendet ist, schreibt sich der junge Mann an der Universität in Wien ein. Fach: Önologie – die Lehre vom Wein. In drei Jahren wird aus dem schwäbischen Winzersohn ein akademischer Experte für den Rebsaft. 2013, mit dem Abschluss in der Tasche, steigt er im elterlichen Betrieb ein. Heute, wenige Jahre später, ist er Kellermeister und hat sowohl auf dem Weinberg, als auch im Weinkeller das Sagen. Und damit eine enorme Verantwortung: „Als ich vor ein paar Jahren anfing, habe ich mich auf meine Eltern verlassen; heute habe ich den Anspruch, dass sie sich auf mich verlassen können – und das klappt auch schon ganz gut“, sagt er augenzwinkernd.

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Eine arbeitsintensive Zeit

Das Laub der Weinstöcke hat sich bunt verfärbt, in den letzten vier Wochen hat Sebastian Schmidt mit seinem Team die reifen Trauben gelesen“. Ein Knochenjob in Handarbeit: Knapp 80.000 Rebstöcke wollen abgeerntet werden. 

Wer meint, dass mit der Lese die Arbeit getan ist, der irrt: „Die Qualität des Weines entsteht draußen auf dem Feld und zwar das ganze Jahr über: Die Rebstöcke müssen zurückgeschnitten, das Gras gemäht und die Trauben gepflegt werden.“ Nur im Dezember haben Sebastian Schmidt und sein Team eine kurze Atempause, bevor es direkt im Januar weitergeht.

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Aber was macht den Bodenseewein so besonders?

 „Es sind die nährstoffreichen Böden“, erklärt der Jungwinzer. „Er ist sehr mineralisch – und das schmeckt man auch. Dazu kommen die vielen Sonnenstunden.“ Gerade aus diesen Gründen würden immer mehr junge Menschen in die Winzerbetriebe in der Region einsteigen: „Der Bodensee hat als Weinregion ungeheures Potential. Das erkennt man nicht zuletzt an der guten Presse in den Fachmedien. Und das merken vor allem die Jungen, die tolle, bodenseetypische Weine machen wollen.“ So hat der Wein vom Bodensee noch eine große Zukunft vor sich. Für Sebastian sind seit der Entscheidung, zurück in die Heimat zu kommen und Winzer zu werden, einige Jahre vergangen. War es die richtige, nicht zuletzt in Anbetracht der harten Arbeit? „Ich habe es noch nicht einmal bereut oder gezweifelt. Ich glaube, dass ich einen der schönsten und naturverbundensten Berufe leben kann, die es gibt – und das zuhause am Bodensee, zusammen mit meiner Familie und meinen Freunden. Ich habe meinen Platz gefunden!“