Ausstellungseröffnung „von opak und transparent"
Ursula Kaiser - Passando, Blicke auf Venedig
Gerhard Schaugg - Gefäße aus Glas
In einer gemeinsamen Ausstellung „von opak und transparent“ werden Arbeiten von Ursula Kaiser (*1934) und Gerhard Schaugg (1936-2021) gezeigt.
Ursula Kaiser hat über viele Jahre hinweg bei Besuchen in Venedig fotografiert und zwar mit einer stark begrenzenden Vorgabe, ausschließlich die Blicke aus dem Vaporetto, dem venezianischen Wasserbus, zu verwenden. Und von dort aus wiederum nur das, was sich ohne Teleobjektiv, ohne sich Platz zwischen den Besuchern zu verschaffen und ohne Beeinflussung durch digitale Bearbeitung ihrer Kamera bot. Oft sind die gläsernen Scheiben der Vaporettos selbst mit im Bild. Die entstandenen Farbfotografien wiederum hat sie in einem aufwändigen Prozess zu großen und vor allem langformatigen Bildstreifen arrangiert. Die Folgen sind einerseits intuitiv und nicht von den tatsächlichen Wasserwegen und Fassaden bestimmt. Andererseits ergeben sich durch den lenkenden Eingriff intensivere Bildwirkungen. Eine Ansicht folgt auf eine dazu passende weitere. Es entsteht eine Ansicht von Venedig, die es einerseits gibt und die täglich tausendfach fotografiert wird und doch entsteht ein anderes, neues Bild von Venedig, das die Fortbewegungsart auf dem Wasser und die Intensität der architektonischen Formen aufnimmt. Bilder, die auch die Enge, die Masse der Besucher zeigen und doch die Eleganz des Ortes spüren lassen. Die Fotografien sind auf große Formate gebracht und mit sicherer Hand in eine passende Reihe gesetzt worden. Das Kunstmuseum Lände ist für Ursula Kaisers – bislang noch nicht gezeigten - Arbeiten als Ausstellungsort ideal, die Räume haben die passende Länge und die notwendige ruhige Atmosphäre.
Die Glasarbeiten von Gerhard Schaugg, die um die Jahrtausendwende herum entstanden sind, bilden einen Kontrapunkt zu den Foto-Arbeiten von Ursula Kaiser.
Nach Gerhard Schauggs Zurruhesetzung als Kunstpädagoge durfte etwas aufbrechen, was lange unter Verschluss bleiben musste: sein künstlerisches Gespür für die zeitlos gültige Form eines Gegenstandes, das Hand in Hand ging mit all den Erfahrungen, die er einst als Handwerker gesammelt hatte. So goss und bearbeitete er meist im Keller seiner Wohnung Gipsrohlinge als Modellform für Glasguss – in der Praxis ging es um hochwertige Gefäße aus Glas.
Formfindung und gestalterischer Prozess fanden oft im innerfamiliären Resonanzkasten statt. Die Gefäße, als Designobjekte nutzbar und darüber hinaus oft reine, zweckfreie Form, sind ruhig und kraftvoll gestaltet, denn eine am Bauhaus geschulte Formensprache ermöglicht konzentriertes und auf das Wesentliche reduziertes Design. Die Entwürfe wurden in Glasmanufakturen realisiert, nicht wenige werden bis zum heutigen Tag auf der seit Jahrhunderten dafür bekannten venezianischen Insel Murano geblasen und geschliffen.
Eine Zwiesprache von Fotografie und Form, von Licht und Material, von opak und transparent: Das Kunstmuseum Lände verspricht eine spannende Ausstellung.
Öffnungszeiten
Freitag und Samstag: 15:00 - 17:00 Uhr, Sonntag: 14:00 - 17:00 Uhr
Führungen
- Sonntag, 08.03.2026 um 16:00 Uhr mit Ursula Kaiser und Leander Kaiser (Percussion und Komposition)
- Sonntag, 29.03.2026 um 16:00 Uhr
Eintritt
frei