Im "Grünen Gold" 
des Südens

Vom Hopfenanbau bis hin zum Bier erfahren Sie im Hopfengut No20 alles über die 100-jährige Bier- und Braugeschichte am Bodensee. 

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Das Tettnanger Hopfengut No20 ist Kultur und Erlebnis in einem

Ich bin hopfengekratzt...

...gibt Charlotte Müller augenzwinkernd zu. Sie ist damit aufgewachsen, schon als Kind ging es am Mittagstisch um die Dolden. Und der Hopfen „kratzt“ bis heute: Seit drei Jahren leiten sie und ihr Bruder Lukas Locher den elterlichen Hopfenbetrieb in Tettnang in vierter Generation – und haben ihn zu einem wahren Gut mit Erlebnischarakter für Besucher ausgebaut. 

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Vom Dolden bis zur Bierverköstigung

Besucher erleben bei Führungen durch das Hopfengut No20 den gesamten Herstellungsprozess „aus einer Hand“. Es vereint Anbau, Brauerei, Museum, Laden und Gastronomie unter einem Dach. 

Blumig, fruchtig oder herb? 

Hopfen, wohin das Auge reicht. Fast schon majestätisch fühlt es sich an auf dem Hopfensteg hinter der großen Erntehalle. Unzählige Pflanzen ranken an Drahtseilen bis 
zu acht Meter in die Höhe. Es ist Mitte Juli. „Der Hopfen steht jetzt am höchsten und hat seine Blütezeit“, sagt Charlotte Müller. Im August, sobald sich die Dolden gebildet 
haben, wird das „Grüne Gold˝ geerntet.

40 Hektar mit rund 150.000 Hopfenstöcken, die pro Jahr etwa 750.000 Hektoliter 
Bier einbringen. Neun Sorten baut die Familie für (inter-) nationale Brauereien und die hauseigenen Biere an. Sie unterscheiden sich vor allem in ihren Inhaltsstoffen. 
Von fruchtig, blumig, herb oder mit feiner Kräuternote ist hier – wie beim Wein – alles dabei.

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Dem Hopfenbrocker auf der Spur 

Auch bei der Ernte sind Besucher „mittendrin“. Von der Brücke in der imposanten Erntehalle haben sie alles fest im Blick. Große wie Kleine haben dabei ihren Spaß. 

So lassen sich bei einer speziellen Familienführung, die der Betrieb in der Erntezeit anbietet, Hopfenpflückmaschine, Hopfendarre und -presse gemeinsam entdecken. „Eltern können mit ihren Kindern außerdem die Dolden im Hopfengarten wie früher von Hand abernten.“ Wer mag, sogar in der Arbeitskleidung der ehemaligen Erntehelfer, den Hopfenbrockern. Denn bis in die sechziger Jahre war die Ernte der Dolden mühevolle 
Handarbeit.

Die früheren Zeiten sind im Hopfenmuseum, das in das Betriebsgeschehen integriert ist, anschaulich dargestellt. In liebevoller Kleinarbeit hat die Mutter von Charlotte Müller schon vor Jahren Puppen, Kleidung, Gegenstände und zahlreiche Fotos zusammengetragen. Sie zeigen Szenen aus dem damaligen Hopfenanbau und spiegeln die Bier- und Braugeschichte bis heute eindrucksvoll wieder.

Vom Duft zur heißen Ernte 

Etwa 130 regionale Hopfenpflanzer ernten im August und September ihre Dolden, die sich auf insgesamt 1.300 Hektar Land verteilen. „Dann hängt über ganz Tettnang 
wochenlang ein wahnsinniger Duft. Den muss man einfach erlebt haben“, so Charlotte Müller schmunzelnd. Der Start der Ernte ist zugleich die Zeit für die grüngehopften „Heiße Ernte˝-Biere, die zu den Produkthighlights des Guts gehören. „Der Grünhopfen, der nicht getrocknet wird, muss in kürzester Zeit verarbeitet werden“, erklärt die 
36-jährige Hopfengutbetreiberin. Fünf Wochen reift das spezielle Bier im Tank. Dann ist die Spezialität mit der feinen fruchtigherben Note perfekt und steht in der Gaststätte und im „Gutsladen“ zum Genießen bereit.

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Verkostung mit dem Biersommelier 

Gebraut wird in den eigenen Räumen. Vor drei Jahren hat das Geschwisterpaar zusammen mit dem Tettnanger Braumeister Fritz Tauscher eine Spezialitätenbrauerei 
gegründet. 

Klein, aber fein, um selbst mit Biersorten zu experimentieren. Drei davon gehören zum Ganzjahresrepertoire, die übrigen werden saisonal hergestellt. Das „Experiment“ mit inzwischen sieben Produkten, von denen immer mal eins gegen eine neue Kreation ausgetauscht wird, läuft so gut, dass das Dreiergespann bereits darüber nachdenkt, die Brauerei zu vergrößern.

Und auch dieser Ort des Geschehens wird zum Erlebnis: An den öffentlichen Brautagen schauen Besucher dem Braumeister über die Schulter, wenn eins der Biere entsteht. Darüber hinaus können sie die Bierspezialitäten unter Anleitung eines Experten verkosten. „Dazu haben mein Bruder, meine Mutter und ich uns extra zu Biersommeliers ausbilden lassen“, sagt 
Charlotte Müller.

Hopfen-Vielfalt 

Im Laden finden sich nicht nur alle Bierspezialitäten des Hopfenguts wieder, angeboten werden hier außerdem verwandte Produkte wie Hopfentee, Biergelees, Hopfenlikör und Edelbrände. Mit dem Ausschanktresen auf der einen und den Sudkesseln der Brauerei auf der anderen Seite, kann der Laden neben der urig gestalteten Gaststätte im Erdgeschoss ebenfalls für Veranstaltungen genutzt werden.

Bei diesem vollen Programm wundert es nicht, dass Charlotte Müllers Arbeitswoche schon mal sieben Tage hat. Trotzdem ist und bleibt das Hopfengut ihr Traumjob. „Mein 
Beruf ist voller Action, so wie ich es mag. Und ich treffe jeden Tag auf die unterschiedlichsten Personen. Das macht das Ganze spannend.“

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Wen der Hopfen einmal 
gekratzt hat, den lässt er 
nicht mehr los.
Eine alte Bauernweisheit, die auch so manche Besucher bestätigen können.
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Optik prägt Heimat 

Woanders zu wohnen, das kann sich Charlotte Müller nicht vorstellen. „Ich habe sofort Heimweh, wenn ich nur ein paar Tage unterwegs bin“, verrät die Mutter zweier 
Kinder lachend. Sie habe doch alles vor der Tür, sagt sie. Die Hügel, der See und natürlich die Hopfenfelder, die diesen Landstrich ausmachen und optisch prägen, sind für sie mit Heimat verbunden. „Es ist ein Glück, hier leben zu können.“

Hopfen erobert die Welt

Der Hopfen aus Tettnang ist bei Braumeistern weltweit bekannt und geschätzt. Das Anbaugebiet am Bodensee gehört seit jeher zu den führenden Anbietern von feinsten Aromahopfen. 

Zu verdanken ist das dem besonderen Boden und den wechselhaften klimatischen 
Bedingungen. „Hier wächst einfach alles gut“, so Charlotte Müller. 60 Prozent der Fläche sind nach wie vor für die Landsorte Tettnanger „reserviert“, die auch nur hier angebaut 
wird. Sie ist und bleibt wegen ihres einmaligen Aromas das Steckenpferd der hiesigen 
Hopfenpflanzer. Auf den restlichen Feldern werden verschiedene Sorten angebaut, die von Jahr zu Jahr variieren können – je nachdem, was die Brauereien gerade vom Hopfenpflanzer anfordern. Zurzeit sind es jene für das Craft Beer. Denn das liegt gerade voll im Trend.

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Den Hopfen erleben